Nach aktuellem Stand nicht.
Grundsätzlich kann Sachsen aufgrund begrenzter Potenziale seinen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht ausschließlich selbst erzeugen und speichern. Das hat der Freistaat Sachsen in der „Sächsischen Wasserstoffstrategie“ festgestellt. Um klimaneutralen Wasserstoff importieren zu können, muss die sächsische Wasserstoffinfrastruktur deshalb Bestandteil des deutschlandweiten Wasserstoffnetzes werden und an das European Hydrogen Backbone angeschlossen sein.
Hier nun aber droht die Region Südwestsachsen einmal mehr abgehängt zu werden. Die einschlägigen Planungsvarianten für das deutsche Wasserstoff-Kernnetz sehen derzeit keine Anbindung der Region vor. Die Stadt Chemnitz und die Wirtschaft der Region befürchten, ein weiteres Mal benachteiligt zu werden. „Chemnitz ist ein führender Forschungsstandort im Bereich der Wasserstofftechnologie und deren Anwendung. Mit dem Wasserstoff-Campus Chemnitz entsteht eines der vier nationalen Wasserstoffzentren, das einzige in den neuen Bundesländern. Es wäre deshalb fatal, wenn dieser Standort der Hochtechnologie nicht durch das geplante Wasserstoff-Kernnetz mit dem Energieträger der Zukunft versorgt werden würde,“ sagt der Chemnitzer Oberbürgermeister Sven Schulze. „Zudem stellt die Entscheidung die Weichen für die künftige Entwicklung einer ganzen Region. Die Region darf nicht – wie in der Vergangenheit beim Fernbahnverkehr – von der Transformation der Energieversorgung abgekoppelt werden.“
eins betreut eine Vielzahl an industriellen Großverbrauchern mit einem Energiebedarf von über 100 GWh pro Jahr. „Unter den 200 größten Industriekunden liegt der Anteil des Gasverbrauchs bei mehr als 2 TWh Erdgas jährlich. Etwa 80 bis 90 Prozent dieses Gasverbrauchs entfallen typischerweise auf die Erzeugung von Prozesswärme während des Produktionsprozesses, wobei nur ein Teil dieser Prozesswärmeerzeugung elektrifiziert werden kann“, sagt Roland Warner, der Vorsitzende der Geschäftsführung von eins energie in sachsen. „In Anbetracht des zukünftig hohen Bedarfs an Reserve-Kraftwerken, die dann einspringen sollen, wenn das Stromaufkommen aus Windkraft und Photovoltaik nicht ausreicht, um die Nachfrage allein zu decken, prognostizieren wir bei eins einen erheblichen Bedarf an grünem Wasserstoff für die Strom- und Fernwärmeerzeugung in Chemnitz durch hochflexible KWK-Anlagen in den 2030er Jahren. Dieser Bedarf wird sich voraussichtlich in der Größenordnung von rund 1 TWh und mehr bewegen", fügt Warner hinzu. „Die Integration in das Wasserstoff-Kernnetz ist somit von größter Bedeutung für eine nachhaltige und zuverlässige Energieversorgung der Region.“
Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft am Technologiestandort Sachsen hat große Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzpotenziale. Bei einer Nichtanbindung sehen Unternehmen in Südwestsachsen nicht nur einen Standortnachteil, sondern teilweise sogar ihre Zukunft gefährdet mit erheblichen Konsequenzen für die Arbeitsplätze in der Region.
eins fordert deshalb gemeinsam mit der IHK und der Stadt Chemnitz sowie Partnern die politischen Vertreter des Freistaats Sachsen und die Vertreter der Kommunen in der Region eindringlich auf, sich für die Anbindung der Region Südwestsachsen an das deutsche Wasserstoff-Startnetz einzusetzen.
Wird Chemnitz an das bundesweite Wasserstoffnetz angebunden?
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Der Aufbau des deutschlandweiten Pipelinesystems hat bereits begonnen. Ist für Chemnitz und die Region Südwestsachsen ein Anschluss an das Netz vorgesehen?
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Letztes Update: 17. August 2023
Veröffentlicht am 17. August 2023
Kommentare(2)
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Profil von Mika Eckhardt
Gepostet von:Mika Eckhardt
vor 3 Jahren
Diese Antwort ist nicht vollständig korrekt. Ja, Chemnitz soll nicht an das Wasserstoff-Kernnetz (also die erste Ausbaustufe eines flächendeckenden deutschen Netzes) angeschlossen werden. Das heißt aber nicht, dass nicht in späterer Zukunft doch noch ein Anschluss passieren kann.
Das der frühe Anschluss hier nicht erfolgt ist vor dem Hintergrund des derzeit und auch mittelfristig sehr niedrigem Wasserstoffbedarf in der Region nur logisch. Grüner Wasserstoff ist derzeit noch eine sehr knappe und teure Ressource, heutige Bedarfe an Wasserstoff (insbesondere in der Chemieindustrie und Düngemittelherstellung) werden global zu über 99% aus fossilen Quellen gedeckt. Daher ist es sinnvoll, den knappen grünen Wasserstoff zunächst dort einzusetzen, und nicht in Bereichen, in denen es andere Alternativen gibt.
Dies gilt auch für den Betrieb des Motorenheizkraftwerks in Chemnitz. Auch hier gibt es deutlich günstigere und energieeffizientere Optionen zur klimaneutralen Fernwärme- und Stromerzeugung, sodass es kaum vorstellbar ist, dass dort substantielle Mengen an grünem Wasserstoff wirtschaftlich verbrannt werden. Die von Herr Warner kommunizierte Bedarfsmenge von 1.000 GWh würde bedeuten, dass rund 50% des Chemnitzer Fernwärmebedarfs aus H2-KWK erzeugt werden (oder ein noch höherer Anteil, wenn man H2-Kessel mit einbezieht). Diese Szenario widerspricht allen bisher veröffentlichten Studien zu dekarbonisierter Fernwärmeversorgung (inklusive derer mit Fokus auf Chemnitz), welche H2 wenn überhaupt in der Spitzenlast (<15%) sehen.
Ich halt es für wichtig, den Stakeholdern in der Region keine Märchen zu den Potentialen und Kosten von Wasserstoff zu servieren. Denn auch wenn viele Anwendungen theoretisch mit Wasserstoff bedient werden können, ist bereits heute absehbar, dass dies an vielen Stellen deutlich teurer als die direkte Elektrifizierung ist. Damit diese gelingen kann muss aber bereits jetzt der dazu notwendige Infrastrukturausbau stattfinden, welcher jedoch in meinen Augen durch die kurzsichtigen Lobgesänge auf Wasserstoff verschleppt wird.
Profil von eins energie in sachsen
Gepostet von:eins energie in sachsen
vor 3 Jahren
@Mika Eckhardt
Hallo Mika, absolut richtig, grüner Wasserstoff ist derzeit noch eine knappe und teure Ressource. Jedoch kann aus unserer Sicht aus diesem Grund nicht gegen eine Einbeziehung von Chemnitz in das geplante Wasserstoff-Kernnetz argumentiert werden, denn der Planungsprozess für das Wasserstoff-Kernnetz stellt auf eine Inbetriebnahme der entsprechenden Leitungsinfrastruktur bis Ende 2032 ab (siehe „Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Energiewirtschaftsrechts an unionsrechtliche Vorgaben und zur Änderung weiterer energierechtlicher Vorschriften“, § 28r Abs. 4 Nr. 3, vom 23. Mai 2023).
Damit in unserer Region Mitte der 2030er Jahre grüner Wasserstoff ausreichend verfügbar ist, müssen also jetzt die Weichen gestellt werden.
Für eine erfolgreiche Energiewende wird im Verlauf der 2030er Jahre Wasserstoff in substantiellen Mengen zunehmend in unserem Energiesystem zum Einsatz kommen müssen. Alle Beobachter gehen zudem für diesen Zeitpunkt von deutlich sinkenden Preisen für grünen Wasserstoff aus.
Grüner Wasserstoff wird dann nicht nur in einigen wenigen Anwendungsnischen (bspw. stofflicher Einsatz in der chemischen Industrie) zum Einsatz kommen, sondern zunehmend auch als Brennstoff bei der Stromerzeugung Anwendung finden und damit fossiles Erdgas ersetzen. Die Verstromung von grünem Wasserstoff wird künftig verstärkt dann notwendig sein, wenn Windkraft und PV gerade nicht ausreichen, um die Stromnachfrage zu decken. Dies gilt vor allem für solche Szenarien, die von einer hohen Durchdringung des Wärmemarktes mit Stromlösungen ausgehen, denn gemäß dieser Szenarien existiert in der Heizsaison deutschlandweit eine gesteigerte Nachfrage nach Strom durch Objekt- und Großwärmepumpen, die durchgehend gedeckt werden müssen.
Die maßgeblichen Studien für die Transformation des deutschen Energiesystems hin zur Klimaneutralität sehen auch für die Stromszenarien schon ab Mitte der 2030er Jahre den Einsatz von Wasserstoff im Stromsektor vor.
Ein wichtiger Punkt ist der künftige Bedarf durch die Industrie in Südwestsachsen. Für die Unternehmen in der Region, die derzeit noch Erdgas für ihre Produktionsprozesse nutzen und bei denen eine Elektrifizierung technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, würde es nicht nur einen erheblichen Start- und Standortnachteil bei der Transformation hin zur dekarbonisierten Wirtschaft der Zukunft bedeuten, wenn unsere Region nicht frühzeitig an das Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen würde, sondern auch für die zahlreichen regionalen Arbeitsplätze.
Allein im Netz der eins-Tochter inetz GmbH setzen heute in Südwestsachsen (Vogtlandkreis, Landkreis Zwickau, Erzgebirgskreis, Landkreis Mittelsachsen und Stadt Chemnitz) etwa 11.000 Gewerbe- und Industriekunden auf eine Versorgung mit Erdgas. Hinzu kommt noch eine große Anzahl gewerblicher und industrieller Kunden bei nachgelagerten Netzbetreibern. Etliche industrielle Großverbraucher im inetz-Gebiet weisen einen Verbrauch von mehr als 100 GWh pro Jahr auf. Der Anteil des Gasverbrauchs der 200 größten Industriekunden liegt bei mehr als 2 TWh Erdgas pro Jahr. Etwa 80 bis 90 Prozent dieses Gasverbrauchs entfallen in der Regel auf die Erzeugung von Prozesswärme im Rahmen des Produktionsprozesses, von denen nur ein Teil elektrifiziert werden kann.
Fest steht auch, dass die idealen Standorte für die mit grünem Wasserstoff betriebenen Kraftwerke Ballungszentren sein werden, die schon heute über KWK-Fernwärmesysteme verfügen. Grund dafür: die Umsetzung des grünen Wasserstoffs im KWK-Prozess bietet sowohl unter Energieeffizienz- als auch unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten Vorteile.
Die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) haben diesem Punkt Rechnung getragen und bei ihrem Planungsprozess für das Wasserstoff-Kernnetz die künftigen Bedarfe durch große KWK-Anlagen berücksichtigt (vgl. Dokument „Planungsstand Wasserstoff Kernnetz“, vom 12. Juli 2023, hrsg. v. Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber Gas e.V.S.10 f.). Sie folgen damit dem Gesetzentwurf, der die Einbeziehung großer KWK-Anlagen in das künftige Wasserstoff-Kernnetz vorsieht („Entwurf eines Gesetzes zur Anpassung des Energiewirtschaftsrechts an unionsrechtliche Vorgaben und zur Änderung weiterer energierechtlicher Vorschriften“, § 28r Abs. 4 Nr. 4c, vom 23. Mai 2023). Die FNB Gas gingen bei ihrer Modellierung von der am jeweiligen Standort heute vorhandenen elektrischen KWK-Leistung und durchschnittlich 2500 Volllastbenutzungsstunden aus. Auf Chemnitz (MHKW) bezogen ergibt das einen von den FNB Gas angesetzten Verbrauch von ca. 820 GWh Wasserstoff. Der Anteil bei einem vorausgesetzten jährlichen Chemnitzer Fernwärmegesamtbedarf von 1000 GWh, der mit grünem Wasserstoff im KWK-Prozess erzeugt würde, beliefe sich gemäß dieser Kalkulation auf ca. 35 % (ca. 345 GWh). Der so prognostizierte jährliche Bedarf von 820 GWh grünem Wasserstoff weicht damit auch kaum von dem den von uns angesetzten Bedarf von „1TWh und mehr“ ab.
Wir kommen aufgrund gesamtsystemischer Überlegungen tatsächlich zu etwas höheren Werten. Wir berücksichtigen, dass im Falle von Chemnitz bestimmte örtliche Besonderheiten vorhanden sind, die künftig einen deutlich höheren KWK-Anteil an der Fernwärme volkswirtschaftlich sinnvoll erscheinen lassen: Die Situation in Chemnitz ist durch das Nichtvorhandensein von nutzbaren geothermischen Potentialen und das – für deutsche Großstädte eher untypische – Fehlen eines großen Fließgewässers als ganzjährige Wärmequelle für die Anwendung von Großwärmepumpen erheblich erschwert. Unter diesen Bedingungen kann es – bei gegebenem nationalem Bedarf an residualer Stromerzeugung – volkswirtschaftlich sinnvoll sein, dass in Chemnitz ein höherer Anteil an Fernwärme (und Strom) im KWK-Prozess mit grünem Wasserstoff erzeugt wird, als an durchschnittlichen KWK-Standorten, die über bessere regionale Gegebenheiten für die Anwendung von Großwärmepumpen verfügen.
Studien zur Wärmewende, die auf einzelne Standorte fokussieren, fehlt häufig diese übergreifende gesamtsystemische (Strom-)perspektive. Studien, die Deutschland als Ganzes betrachten und Durchschnittswerte ausweisen, können nicht auf die jeweiligen Standortspezifika abstellen.
Für Chemnitz sind die Herausforderungen, die sich bei der Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung stellen, besonders hoch. Auch ein KWK-Anteil auf Basis grünen Wasserstoffs von 50 oder 60 Prozent verlangt den breiten Einsatz praktikabler alternativer Wärmeerzeugungstechnologien in der Größenordnung von mehreren Hundert GWh/Jahr.
Es ist möglich, dass der Anteil dieser alternativen Technologien künftig tatsächlich höher und der Anteil der KWK niedriger ausfallen wird. Fest steht jedoch, dass wir in Chemnitz zur erfolgreichen Dekarbonisierung der Fernwärme einen Technologiemix benötigen, der alle verfügbaren Grüne-Wärme-Technologien berücksichtigt und diese in geeigneter Weise zur Anwendung bringt.
Wir von eins arbeiten daran, die Wärmewende in unserer Stadt und der Region versorgungssicher und für alle Menschen bezahlbar umzusetzen. Auch wir wissen heute noch nicht, wie hoch ab Mitte der 2030er Jahre die Kosten der verschiedenen Technologien und die Preise für grünen Strom und grünen Wasserstoff sein werden. Da die maßgeblichen Weichenstellungen für die Wasserstoff-Netzinfrastruktur aber schon heute getroffen werden, müssen wir die künftigen Bedarfe an grünem Wasserstoff im Sinne der Versorgungssicherheit konservativ – das heißt im oberen Bereich des Plausiblen – ansetzen.
Viele Grüße von eins energie in sachsen
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